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| 21.03.2006 |
Zwei Frankfurter Kunstmessen aus der Taufe gehoben |
Nach dem Aus für die Kunstmesse „Art Frankfurt“ im letzten Jahr wagten in der letzten Woche gleich zwei parallel stattfindende Kunstmessen den Neuanfang in der Mainmetropole: die „fine art fair Frankfurt“ und die „artspace Frankfurt“. Der für die „fine art fair Frankfurt“ verantwortliche Frankfurter Galerist Michael Neff hatte 48 handverlesene Galerien - eine Mischung aus arrivierten und jungen Galerien aus dem deutschsprachigen Raum - zur experimentellen Messepremiere vom 15. bis zum 19. März in die Frankfurter Messe eingeladen. Am anderen Ende der Stadt präsentierte sich die „artspace Frankfurt“ in einem Verwaltungsgebäude des frühen 20. Jahrhunderts mit 19 etablierten Galerien und kam ohne schmückendes Begleitprogramm oder Events aus. So gegensätzlich wie die beiden Standorte waren auch die Konzepte beider Kunstmessen.
Ein radikalerer Start für eine Kunstmesse wie die „fine art fair Frankfurt“ ließ sich kaum realisieren: Die riesige Halle 9 der Frankfurter Messe mit ihrem rohen Betonboden und ihrer nicht abgehängten Decke, die geometrisch angeordneten Wandmodule, die die konventionellen Kojen ersetzten und die Reduzierung auf Einzelschauen schufen einen kalkulierten Bruch mit dem üblichen Vermarktungskonzept einer Kunstmesse. So wurde das offensichtliche Bemühen deutlich, der Kunst mit ihren teilweise sperrigen Einzelpositionen nicht mehr den Charakter einer „Kunstmesse-Kunst“ zu geben: Von einer Großinstallation von Jonathan Meese und Tal R bei Contemporary Fine Arts, einem Video von Martin Creed mit sich übergebendem jungen Mann bei der Galerie Johnen bis zu einer Dauerperformance der Künstlerin Adrian Williams bei der Galerie Parisa Kind standen Arbeiten zum Verkauf, die sonst kaum auf Kunstmessen zu finden sind. Der Gesamteindruck war folglich weniger der einer Kunstmesse als der einer kuratierten Ausstellung zur Gegenwartskunst.
Die erste „artspace Frankfurt“ fand in den Räumen des Ateliers Goldstein statt, einem Künstleratelier der Frankfurter Lebenshilfe an der Hanauer Landstraße. Sie wurde von einem fünfköpfigen Galeristenteam initiiert und explizit als solide Verkaufsveranstaltung angekündigt. Hier offerierten die teilnehmenden Galerien marktgängigere aber nicht weniger spannende Kunst. Auch sie beschränkten sich wohltuend auf wenige Künstler pro Raum wie bei der Galerie Ruta Correa, die metallene Schmetterlinge des mexikanischen Künstlers Fernando Palma zeigte. Eine augenzwinkernde Ausnahme bildeten die Arbeiten des Niederländers Rob de Vry, die von der Galerie Albert Baumgarten bis in die letzten Raumecken gehängt wurden.
Ob das neue Messekonzept Michael Neffs in Frankfurt Bestand haben wird, oder ob sich die „artspace“ zu einer neuen Frankfurter Kunstmesse mausert, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Beide Veranstaltungen brauchen die Konkurrenz der jeweils anderen nicht zu fürchten, da sie von Beginn an ein eigenes Profil haben. Für den potentiellen Käufer ergänzen sie sich und bieten eine größtmögliche Vielfalt an Gegenwartskunst.
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