Das nachfolgende Interview mit Klaus Gerrit Friese erscheint im Berliner Magazin zitty, Heft 9/2009, 33. Jg. Das Gespräch führte Claudia Wahjudi.
Am 1. Mai beginnt das „Gallery Weekend“, eine Aktion führender Berliner Galeristen. Sie wollen internationale Sammler und hiesiges Kunstpublikum drei Tage in ihre Ausstellungsräume führen, erstere auch mit einem Service von Hotelbuchung bis Dinnerparty. So war es jedenfalls bisher. Das diesjährige Gallery-Weekend steht im Zeichen des Finanzcrashs. Klaus Gerrit Friese, 51, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Galerien, über Chancen und Risiken des Berliner Kunstmarkts in der Rezession und den geplanten Umzug seines Verbands nach Berlin.
zitty: Herr Friese, wer kauft jetzt überhaupt Kunst?
Klaus Gerrit Friese: Die Experten der Finanzwelt, die zuvor den Kunstmarkt beflügelt und nun in der Krise viel Geld verloren haben, sind erst einmal weg. Aber nach wie vor gibt es Kunstsammler mit einem langfristigen Konzept.
zitty: Und was kaufen die derzeit?
Friese: Es hieß ja, dass die Klassische Moderne als Gewinner aus der Finanzkrise hervorgehe und die zeitgenössische Kunst verliere. Aber das kann man nicht so holzschnittartig sagen. Zuletzt wurde Zeitgenössisches sogar etwas besser verkauft als Klassische Moderne.
zitty: Heißt das, die Prognose, dass Zeitgenössisches 50 Prozent Wert verliere, ist nicht mehr aktuell?
Friese: Das war eine These zu den überhitzten Preisen von 2008. Jetzt liegen die Preise in den Galerien noch lange nicht 50 Prozent niedriger. Sicherlich werden sie sich relativieren, aber über den Ausgang dieses Prozesses können wir noch nichts sagen. Das müssen wir einfach in Ruhe abwarten.
zitty: Was heißt das für das Berliner „Gallery Weekend“, das vor allem auf zeitgenössische Kunst setzt und immer einfliegende Spitzensammler umworben hat?
Friese: Berlin wird 2009 den Lackmus-Test machen. In diesem Jahr wird sich zeigen, ob die faszinierende Internationalität, die Berlin als einzige deutsche Stadt auszeichnet, Sammler noch anspricht. Da ist es natürlich sehr wichtig, dass gerade die international agierenden Galerien die entsprechende Beachtung finden. Aber Berlin funktioniert ja als Stadt nach wie vor. Und auch die Sammler aus dem Rheinland und Süddeutschland, die weiter aktiv sind, sind immer zum Gallery Weekend nach Berlin gepilgert.
zitty: Wie muss das „Weekend“ jetzt Werbung machen? Hotels und Abendessen für internationale Kunden hat es doch schon vorher gegeben.
Friese: Die Sammler sind in den letzten Jahren mit gutem Ergebnis sehr umworben worden. Das wird natürlich fortgesetzt. Aber jetzt muss vor allem die Kunst wirken: die Qualität der Galerieausstellungen. Dann kommen wir mit den Sammlern auch wieder in ein überzeugendes Gespräch.
zitty: Geschätzte 450 kommerzielle Galerien arbeiten in Berlin. Können die alle durchhalten?
Friese: Ich hoffe es für jede einzelne, aber wir fürchten, dass es nicht allen gelingen wird. Um die Chancen zu verbessern, brauchen wir öffentliche Förderung, etwa für Messebeteiligungen, und ein öffentliches Bewusstsein von der Notwendigkeit der Basisarbeit der Galerien, die junge Kunst fördern und präsentieren. Dazu gehört auch, nicht immer auf die Preise zu schauen, sondern jenen Galeristen zuzuhören, die aus Überzeugung und nicht nur mit gehypter Ware handeln.
zitty: Galeristen schließen Dependancen, streichen die eine oder andere Messebeteiligungen, entlassen Mitarbeiter. Wo werden sie noch sparen?
Friese: Wir können kleinere Stände aufbauen, wir können weniger aufwändige Kataloge produzieren. Aber wir müssen auf Messen präsent sein. Wir sind absolut abhängig von unserem Bild in der Öffentlichkeit. Wenn über uns nicht mehr geredet wird, dann sind wir im Off, was sich sofort finanziell zeigt. Aber noch sehe ich nirgendwo das große Galerienschließen.
zitty: Im Mai stimmt Ihr Verband darüber ab, ob er von Köln nach Berlin ziehen wird. Warum?
Friese: Der Verband kümmert sich um die Rahmenbedingungen für Galeristen, etwa um Mehrwertsteuer, Künstlersozialkasse, Urheberrecht. Vieles davon wird von Politikern entschieden. Und ein Lobbyverband muss dort sein, wo Politik gemacht wird. Wir werden ja nicht aufhören, für unsere Kollegen in Nordrhein-Westfalen mit tätig zu sein. Und nicht zuletzt: Die Mitglieder der Vorstands leisten ehrenamtliche Arbeit. Bis jetzt haben wir viele politische Termine in Berlin, gleichzeitig unseren Verbandssitz in Köln, und jedes Vorstandsmitglied noch seine Galerie, ich zum Beispiel in Stuttgart – da ist ein Umzug für unsere Arbeitsökonomie nicht ganz unerheblich.
zitty: Ihr Verband hat mit der Kölner Messe „Art Cologne“ kooperiert. Heißt ein Umzug nach Berlin, dass Sie nun mit der Konkurrenz, dem hiesigen „Art Forum“ zusammenarbeiten wollen?
Friese: Wir sind an die Kölner Kunstmesse bis Ende 2010 vertraglich gebunden. Wir werden den Vertrag nicht verlängern. Für 2011 haben wir noch keine Pläne. Im Moment gibt es zwischen uns und der neuen Leitung des „Art Forum“ überhaupt noch keine Gespräche.
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