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26.01.2009

Auch in ungeheuren Fällen - Klaus Gerrit Friese vom BVDG glaubt, dass die Krise künstlerische Neuerungen hervortreibt

Das nachfolgende Interview mit Klaus Gerrit Friese erschien am 24. Januar 2009 in der Süddeutschen Zeitung. Das Gespräch führte Cathrin Lorch.

Dass die Finanzkrise Auswirkungen auf den Kunstmarkt hat, wurde während der Auktionen im Herbst sichtbar. Dennoch geben die wenigsten Galeristen zu, dass sie unter Umsatz-Einbußen leiden: Vor allem die Händler zeitgenössischer Kunst, die in den vergangenen Jahren zu hohen Preisen gehandelt wurde, fürchten, dass die gerade erst etablierte Ware an Wert verliert. Dass weniger verdient wird, räumt Klaus Gerrit Friese, der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Editionen (BVDG) ein. Doch sieht der Stuttgarter Galerist in der Krise die Chance, Sammler, denen der Rummel der Messen und Auktionen fremd war, wieder für das Geschehen in den Galerien zu gewinnen.

SZ: Was hat sich verändert seit dem vergangenen September?

Klaus-Gerrit Friese: Es wird wieder möglich, darüber nachzudenken, dass Galerie-Arbeit auch anders aussehen kann, dass es nicht allein darum geht, Kunst teuer zu verkaufen, sondern als solche zu vermitteln. Die Museen sind auch von der Krise betroffen - es kommt wieder auf Konstellationen an, in denen man eine Wirkung erzielen kann, die nicht unmittelbar das Kapital betrifft.

SZ: Gibt es denn den Sammler, der weniger kauft, aber ernsthafter?

Friese: Es ist wieder notwendig, eine künstlerische Existenz aus sich heraus zu rechtfertigen. Die künstlerische Vita muss durch Ausstellungen abgesichert sein. Die Szene, die Werte durch eingepreiste Phantasie generierte, ist abgeschrieben. Aber wer jetzt Dinge macht, die ungewohnt und riskant sind, kann Überraschungen erzielen - in den vergangenen Jahren waren oft nur die Preise die Überraschung. Viele Akteure des Kunstmarktes sind in ihrer Existenz bedroht. Gleichzeitig scheint, "alles seinen gewöhnlichen Gang zu gehen, wie man auch in ungeheuren Fällen, wo alles auf dem Spiel steht, noch immer so fortlebt, als wenn von nichts die Rede wäre" - so hat Goethe das formuliert. Aber die Frage kann ja nicht sein, wen es erwischt. Gerade wer mit junger Kunst handelt, hat wenig Instrumente, um den Wert den Sammlern gegenüber zu begründen. Sicher sehe auch ich ein Bild schräg an, das viel Geld gekostet hat und dessen Preis sich verzehntelt hat. Die Enttäuschung über nicht realisierte Ansprüche junger Kunst muss erst einmal überwunden werden - so werden wir es zwangsläufig mit günstigeren Preisen zu tun haben.

SZ: Kommen denn überhaupt noch Sammler, die man ansprechen kann?

Friese: Wer als Galerist Arbeiten hat, die sich nicht nur auf Preis-Spekulationen begründen, bleibt interessant. Wer an zehn Kunstmessen im Jahr teilnahm, kann in seinem Umfeld an nichts anknüpfen. So haben natürlich nur wenige Kollegen gearbeitet; das hat jedoch einen Gutteil unserer Außenwahrnehmung bestimmt.

SZ: Kann ein Galerist eine Durststrecke von ein, zwei Jahren verkraften?

Friese: Der Boom hat verdeckt, dass viele Galerien unterkapitalisiert arbeiten. Es gibt keine Finanzdecke, die einem erlaubt, ein Jahr durchzuhalten, das schlecht läuft. Galerien sind auf unmittelbaren Verkauf angewiesen. Natürlich können in Berlin 500 Galerien nicht auf Dauer bestehen. Man wird Mitarbeiter entlassen, den Mietzins aussetzen, Schulden anhäufen. Dass der Kunstmarkt sich gesundschrumpft, ist Unfug, dieser Reinigungsgedanke - sobald es wieder besser wird, entstehen neue Galerien, die dasselbe Abenteuer noch einmal wagen. In den zurückliegenden drei, vier Jahren hat sich in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein von Kunst entwickelt, das nicht verschwinden wird, nur weil das Geld weniger geworden ist. Ich glaube, wenn man darauf setzt, hat man eine gute Chance.


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