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21.09.2007

Falsche Zahlen über echte Fälschungen

Unter dem Titel „Wa(h)re Lügen: Original und Fälschung im Dialog“ - hat das Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster vor zwei Wochen eine bemerkenswerte Ausstellung eröffnet. Neben rund 250 Fälschungen der Klassischen Moderne und des Expressionismus werden diverse Gegenstände aus Fälscherwerkstätten präsentiert, die vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren beschlagnahmt worden sind.

Der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen begrüßt prinzipiell jede Form der Aufklärung über die Hintergründe und das Zustandekommen von Fälschungen. Der BVDG und seine Mitglieder haben ein elementares Interesse daran, dass Falsifikate auf dem Verkehr gezogen werden beziehungsweise erst gar nicht auf den Markt gelangen. Nach Auffassung des BVDG kann es jedoch überhaupt keinen „Dialog zwischen Original und Fälschung“ geben. Der euphemistische Titel macht deutlich, dass die Ausstellungsmacher in Münster dem „Faszinosum“ des Fälscherunwesens gewissermaßen erlegen sind. Eine Fälschung ist prinzipiell nicht - auch im nicht im metaphorischen Sinne - dialogfähig: sie raubt das Original ungefragt.

Leider kursieren seit der Ausstellungseröffnung in der Öffentlichkeit wieder Mutmaßungen über die Anzahl von Fälschungen. Zwischen 30 und 60 Prozent aller Kunstwerke seien gefälscht, so hieß es in verschiedenen Reviews unter Bezug auf den Katalog zur Münsteraner Ausstellung. Auch über die Umsätze, die durch den Verkauf von Fälschungen in Deutschland angeblich getätigt werden, gibt es wilde Spekulationen: genannt werden bis zu 2,5 Milliarden Euro. Diese astronomisch hohen Zahlen basieren auf vagen Vermutungen und Hochrechnungen vermeintlicher Experten. Sie spiegeln jedoch die Realität des deutschen Kunstmarktes nicht ansatzweise wider und sind ins Reich der Phantasie zu verweisen.

Es ist leider wahr, dass immer wieder Fälschungen von Künstlern mit sehr hohem Bekanntheitsgrad in Umlauf kommen. Für den Käufer - ob Privatperson, Kunsthändler oder Museum - sind damit gravierende Probleme verbunden. Kunst zu fälschen ist eine Form der Wirtschaftskriminalität, die allen Marktakteuren - und nicht zuletzt den Künstlern selbst - Schaden zufügt. Der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen hat bereits Maßnahmen zur Aufdeckung von Kunstfälschungen ergriffen, indem er eng mit dem in seinem Kölner Büro ansässigen Art Loss Register kooperiert, das seit zwei Jahren eine internationale Datenbank zur Erfassung von Fälschungen aufbaut.

Der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen bedauert sehr, dass mit der Wiederholung falscher Zahlen über zirkulierende Kunstfälschungen eine pauschale Inkriminierung des Kunsthandels einhergeht. Vor allem im Bereich der zeitgenössischen Kunst arbeiten Galeristen und Künstler so eng zusammen, dass eine von beiden Seiten schnell auf eventuelle Fälschungen aufmerksam und entsprechend dagegen einschreiten würde.

Galeristen und Editeure bürgen für die Echtheit der von ihnen zum Verkauf angebotenen Kunstwerke durch ihr Fachwissen sowie durch die Einhaltung eines Berufscodex, dem sie sich durch Ihren Beitritt in den BVDG unterstellt haben und der die Verbreitung von Fälschungen strengstens untersagt. Galerien und Kunsthändler tragen entscheidend dazu bei, dass Künstler einen Marktzugang und Kunstwerke einen Marktwert erhalten - durch langfristige Vermittlungsarbeit, die ein hohes Maß an Seriosität erfordert.


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