Reden und Aufsätze

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19.04.2007

Eberhard Garnatz

Laudatio anlässlich der Verleihung des ARTCOLOGNE – Preises am 19.4.2007 für Erhard Klein

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren,
lieber Herr Klein,

mir ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, die Laudatio zur Verleihung des Art Cologne Preises an Erhard Klein zu halten. Ich fühle mich dabei fast genauso geehrt, wie derjenige, der heute den Preis erhält.

Die Nähe des Sammlers zu seinem Galeristen setzt immer ein besonderes Vertrauensverhältnis voraus. Als Sammler von zeitgenossischer Kunst habe ich naturgemäß vielfältigen Kontakt zu anderen Galerien, der zu Erhard Klein ist anders und außergewöhnlich.

Mit ihm brauchte man nicht zu handeln. Die Preise waren immer für den Erwerber günstig und fair. Nun möchte ich nicht den Anschein erwecken, Erhard Klein sei ein schlechter Kaufmann. Nein, gewiss nicht, sonst wäre er nicht hier. Erhard Klein teilt mit seinen Kunden die Liebe zur Kunst. Für ihn sind die Künstler nicht die Lieferanten von Ware, sondern der Quell künstlerischer Auseinandersetzung, die auf Langfristigkeit angelegt war und nicht auf kurzfristigen Gewinn. Er verstand es wie kaum ein anderer, Geschäft und Ideal zu verbinden.

Ähnlich wie die Liebe kann die Kunst nicht bis ins Letzte erklärt werden, denn sonst könnte man gleich einen Aufsatz schreiben, statt ein Bild zu malen oder eine Skulptur zu schaffen. Gleichwohl hat der gelernte Bibliothekar Klein sich mit Schriften zur Kunst zunächst im Beruf und später aus Neigung auseinandergesetzt. Ihm wurde dabei sicher bewusst, dass man sich der Kunst mit der Sprache nur bedingt nähern kann. Vieles ist zu einem Kunstwerk zu sagen und zu schreiben. Fakultäten und Feuilletous leben davon. Am nächsten kommen ihm die Schwestern der bildenden Kunst, Literatur und Dichtung. Sie stehen ihr näher als die wissenschaftliche Exegese. Kunst ist letztlich nicht erklärbar. Das literarisch wohl eindrucksvollste Symbol der Ungewissheit finden wir in dem letzten Wort der Alkmene in Kleists Amphitrion "Ach, war es der Ehemann oder der Gott? Immerhin ist aus dieser Ungewissheit Herkules hervorgegangen."

Erhard Klein hat niemals versucht, tiefsinnige Erklärungen abzugeben. Er ließ ausschließlich die Künstler in der ihren eigenen Sprache sprechen, und da gab es viele Sprachen, die von dem Fixstern Joseph Beuys, aber auch von Sigmar Polke, Ulrich Rückriem, Blinky Palermo, Reiner Ruthenbeck, Franz Erhard Walter, Imi Knoebel, Felix Droese und vielen anderen. Ich habe hier nur einige Beispiele genannt. In seiner 36jährigen Galeristentätigkeit hat Erhard Klein noch viele andere und vor allem junge Künstler betreut. Hier muss ich mich beispielhaft auf einige Namen beschränken.

Erhard Klein war ein Großer, der immer auf der Spur nach den Geheimnissen der Kunst war. Aber er drehte nie das große Rad, das in London, New York und vielleicht jetzt auch in Berlin mit großem Getöse gedreht wird. Wohl hat er in den 70er und 80er Jahren im Rheinland Kunstgeschichte geschrieben, wovon heute viele Kunsthändler mit beachtlichen Gewinnen noch zehren.

Als Erhard Klein seine liebenswerte Galerie in Bonn in der Königstraße aufgeben musste, zog es ihn nicht etwa nach Köln oder Berlin. Nein, er setzte seine Galerietätigkeit in Mutscheid in der Eifel fort. Viele Galeristen klagen auch in Köln über mangelnden Besuch und suchen neues Publikum in Berlin. Bei Erhard Klein ist das anders: Er geht nach Mutscheid in die Eifel, einem kleinen Vorort von Bad Münstereifel, das vor allem durch Heino überregional Bekanntheit erlangt hat. Ein Zentrum für zeitgenössische Kunst ist der Ort sicher nicht. Wohl aber wurde Mutscheid ein Fixpunkt für Freunde, Künstler und Sammler, die Erhard Klein willig in die Eifel folgten. Seine Eröffnungen waren immer außergewöhnlich gut besucht. Selbst in dem ländlichen Freiraum war es schwer, einen Parkplatz zu finden.
Erhard Klein ist wohl der einzige Galerist, zu dem die Kunstfreunde nicht nur wegen der Künstler, sondern auch wegen des Galeristen gekommen sind. Nicht zuletzt um sich einige Stunden von seinem von ihm geschaffenen Arkadien mit Hängebauchschweinen, Zwerghühnern und Goldfischen gefangen nehmen zu lassen.

Die letzte Ausstellung mit Jürgen Klauke im vergangenen Jahr war auch eine Hommage auf Erhard Klein der still beiseite stand, während Lobesworte auf ihn niedergingen. Die große Geste war nie sein Ding. Als überzeugter Bonner und Rheinländer galten seine Aufmerksamkeit und sein Interesse vor allem der Kunstszene des Rheinlands: Beuys, Polke, Palermo, Kippenberger, Sieverding, Klauke und viele andere, die von Erhard Klein vertreten wurden, haben die Kunstlandschaft Rheinland geprägt und ihr auch zu internationaler Anerkennung verholfen. Hier trifft ein viel zitiertes Wort aus der Wirtschaft zu: All Business is local - all art is local. Ich meine damit nicht den Kunstmarkt, sondern den Humus, auf dem große Kunst entsteht. Erhard Klein war der Gärtner, der auf diesem Boden wunderbare Pflanzen wachsen ließ, weil er selbst Teil dieses Humus war.

Es ist verlockend, Erhard Klein mit weiteren schönen Metaphern zu feiern. Man würde ihm nicht gerecht, wenn man sein Wirken nur in den hehren Sphären apollinische Glückseligkeit ansiedeln wollte. Nein, das Leben Erhard Kleins war eng verwoben mit dem seiner Künstler, so auch mit den exzessiven alkoholgetränkten Ausstellungseröffnungen. Zitat Erhard Klein: "Ich muss mit meinen Künstlern saufen können" Auch der Rausch verband die Szene, wie die Boheme des 19. und 20. Jahrhunderts. Erhard Klein hat diese Zeit - wie die meisten seiner Künstler - überwunden, wie er mit berechtigtem Stolz einräumt. Er lebt heute mit seiner (Ex) Frau in seiner Galerie in Mutscheid. Er bleibt der Kunst verbunden, nur unterbrochen durch die samstäglichen Fußballübertragungen.

Erhard Klein ist unfähig, Feinde zu haben. Er hat sich vielfältiger Konkurrenz entzogen und ist immer seinen eigenen Weg gegangen. Dabei wurde er einer der einflussreichsten Galeristen im Rheinland. Seine Galerieräume blieben bescheiden, sie dienten - was ich besonders betonen möchte - der Kunst, den Gesprächen mit Freunden und Sammlern.
Erhard Klein war immer auch ein Mittler zwischen Künstlern, Museen und Sammlern. Für ihn war dabei die Kunst niemals ein Mittel der Machtausübung, wie wir dies mit lautem und unangenehmem Getöse aus Berlin und auch zuletzt in Bonn vernehmen mussten. Kunst ist nicht Machtausübung, sondern die Aneignung einer anderen, einer geistigen Welt.

Vielleicht findet sich die Gelegenheit, all die wunderbaren Anekdoten und Geschichten, die sich um Erhard Kleins Wirken ranken, zu sammeln und seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Damit würde ein Kompendium für gute Kunstvermittlung und Galeriearbeit geschaffen. Wir alle haben Erhard Klein zu danken, für das, was er für die Kunst geleistet hat. Er hat ein Beispiel gegeben, für ein erfülltes Leben mit der Kunst. Dieses Beispiel lebt weiter.

Auch wenn er im vergangenen Jahr in Pension gegangen ist, so ist dies kein Abschied, sondern ein Neubeginn und "jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben." Mit diesem viel zitierten Worten Hermann Hesses möchte ich schließen und hoffe, dass wir von diesem Zauber noch viel erleben.

Der Preis der Art Cologne ehrt Erhard Klein. Zugleich nobilitiert er in diesem Fall auch die Stifter des Preises.

Erhard Klein alles Gute und….

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